Sasa Stanisic: Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne

Der Autor erzählt auf vergnügliche Weise und – sehr typisch für ihn – mit schrägen Momenten aus dem Alltag. Ungelebte Wünsche, Phantasien, Erinnerungen – eine lose Sammlung von Geschichten, die unterhalten und zugleich Anregungen für eigene Reminiszenzen sind. Er hat dafür sogar einen Preis erhalten: den Raabe-Literaturpreis 2024..


Moechte die Witwe angesprochen werden platziert sie auf dem Grab die Giesskanne mit dem Ausguss nach vorne von Sasa Stanisic. – Cover@btb

Transit von Anna Seghers

Unzählige Menschen waren nach 1933 in ganz Europa auf der Flucht vor Verfolgung und Krieg. Marseille wurde ein wichtiger Sammelpunkt, denn von hier – so die Hoffnung vieler – konnte man per Schiff das unsicher gewordene Europa endgültig verlassen. Dazu benötigte man aber die verschiedensten Papiere und die Kenntnis der Wege diese zu erlangen. Die Entscheidung – zu bleiben, wenn auch in einem Versteck mit Hilfe von mutigen Unterstützern – oder zu gehen, auch nur möglich mit solventen Unterstützern, war existentiell für jeden Flüchtling, jede Flüchtige…
Davon erzählt dieser beeindruckende Roman der selbst betroffenen Autorin.

Cover @Aufbau Verlag

Das Fest von Lucy Fricke

Die umtriebige Autorin, eine gebürtige Hamburgerin, Jahrgang 1974, konfrontiert uns in ihrem Roman mit der Midlife Krise des einst beruflich erfolgreichen Jacob. Aus ihm verständlichen Gründen sieht er keinen Anlass dafür, seinen Geburtstag zu feiern.. Aber es gibt Menschen in seiner Umgebung, die mit viel Phantasie und Liebe eine Überraschung für ihn vorbereitet haben…

Cover@Ullstein CLAASSEN Verlag

Trude Teige: Als Großmutter im Regen tanzte

Das Buch führt uns zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Eine junge Norwegerin sucht nach Antworten im Leben ihrer verstorbenen Großmutter. Offenbar gab es Verbindungen zu einem deutschen Soldaten. Was sie dabei findet, möchten wir auch herausfinden… Die norwegische Autorin und Journalistin ist sehr bekannt in ihrer Heimat. Für uns eine neue Entdeckung ..

@Cover S.Fischer-Verlag

Charlotte Wood: Ein Wochenende

Der Roman der australischen Autorin beleuchtet das schwierige Feld der Freundschaft in Krisenmomenten. Drei langjährige Freundinnen treffen sich nach dem Tod der vierten, um deren Haus aufzulösen. Dabei brechen alte Konflikte auf, die früher von der nun verstorbenen Sylvie einfühlsam befriedet wurden. Geheime und bisher sorgsam beschwiegene Themen werden offenbar und führen zu Zerreißproben. Sehr spannend und bewegend beschrieben..

Chad Harbach: Die Kunst des Feldspiels

Die Welt des Sports in der Literatur ist ein ganz neues Feld für uns. Der Autor – ein junger Amerikaner aus Wisconsin – hat sofort für große Begeisterung gesorgt. Uns hat sie dann auch erfasst – eine berührende Geschichte über Enthusiasmus – in diesem Fall betrifft es Football – bis hin zur Obsession, Freundschaft, Erfolg + Enttäuschung, Selbstzweifel und Übersichhinauswachsen der liebenswerten Protagonisten. Ein sehr empfehlenswerter Roman.

Ein Mann seiner Klasse – Christian Baron

Der Autor wuchs in ärmlichen und bedrängenden Verhältnissen in Kaiserslautern auf. Schonungslose Beschreibungen von Gewalterfahrung, Ausgrenzung, Desinteresse der Gesellschaft, der Kraft dieser, uns eher unbekannten, sozialen Realität zu entkommen und den Kosten, die damit verbunden sind, erwarten uns. Christian Baron – inzwischen ein Bestsellerautor – macht mit diesem Buch auf anderen Lebenswirklichkeiten aufmerksam.

@cover: Ullstein-Verlag

Mit Blick aufs Meer von Elizabeth Strout

Die Erzählerin führt uns nach Crosby, einer kleinen Stadt an der Küste von Maine. Auf den ersten Blick ist hier nicht viel los. Immerhin gibt es Wasser und eine Marina. Doch Elisabeth Strout bezaubert uns mit ihren einfühlsamen Geschichten über Menschen, die dort ihr Leben verbringen und deren Lebenswege oft zusammenhängen. Überall gibt es geheime Sehnsüchte, Erfolge und Niederlagen, die erst auf den zweiten Blick zu entdecken sind.

Wo wir zu Hause sind – Maxim Leo

Der Journalist Maxim Leo, aufgewachsen in der DDR, macht sich auf die Suche nach seiner Familie, die durch die Verfolgung deutscher Bürger jüdischer Herkunft während der Nazi-Herrschaft in alle Welt zerstreut wurde. Neben vielen alten Geschichten, die nun erstmals erzählt werden, steht aber auch die dritte Generation im Fokus, die ihren eigenen Weg finden muss.

Cover @ Kiepenheuer & Witsch